Sie haben den Roman „Der Tod tanzt mit“ von Rolf Thum gelesen. Wie fanden Sie diesen Roman von seiner Handlung und seinem Spannungsbogen her?
Er ist sehr leicht und fließend geschrieben. Es fällt einem Leser wie mir nicht schwer immer wieder den Faden aufzunehmen trotz Leseunterbrechungen. Beide Neugierden werden befriedigt: Einblick in die Tangowelt und Mordaufklärung. Allerdings konzentriert sich die Handlung über weite Strecken auf das Sammeln von Indizien. Dieses mühselige Geschäft wird zwar gut beschrieben, geht aber ein wenig auf Kosten der Spannung. Einen reißerischen Thriller darf der Leser also nicht erwarten.
Da Sie selbst auch schon einmal in die Tangoszene hineingeschnuppert haben: Finden Sie die Tangowelt realistisch beleuchtet?
Richtig, ich habe mit meiner Frau zusammen vor Jahren einen Tango-Argentino-Kurs gemacht. Ich konnte mich deshalb beim Lesen des Buches gut in die Tangoszene hinein versetzen. Allerdings hatte ich in die Szene noch nicht einen so tiefen Einblick wie ihn anscheinend der Autor hatte. Dass es in der Szene derart „klüngelhaft“ zugehen kann, war mir fremd und hat mich doch etwas irritiert. Spannend fand ich die Beschreibung der verschiedenen Rituale in der Szene, z.B. der Methoden, wie man auffordert oder sich vor dem Auffordern schützt.
Fanden Sie es störend, dass die Haupthandlung an einem fiktiven Ort spielt und nicht wie derzeit die Mehrheit der Kriminalromane in einer bestimmten Region oder Stadt?
Nein, ich konnte mir die Provinzialität der Lokalität bildhaft vorstellen, das war nicht störend!
Wie sind Sie zu diesem Buch, das ja nicht gerade in den Buchläden auf den Stapeln liegt, eigentlich gekommen?
Ich kenne den Autor über die Hochschule. Dadurch erfuhr ich, dass er diesen Roman geschrieben hat. Und da ich, wie gesagt, in die Tangoszene bereits hineingeschnuppert habe, war ich neugierig geworden und habe das Buch direkt beim Autor bezogen. Übrigens: Wenn man den Autor näher kennt, kommen einem einige Verhaltensmuster der Hauptperson, also des Kommissars Peter Kronauer, bekannt vor. Hier wurden wohl einige autobiographische Momente versteckt.
Der Roman war der erste Kriminalroman des Autors. Würden Sie ihm empfehlen weitere Krimis zu schreiben?
Das Genre des Krimis ermöglicht Handlungsstränge einzuflechten, die den Roman sicherlich belebt haben. Andererseits vergleicht man einen Krimi gerne mit anderen Krimis, die ja in unendlicher Vielfalt auf dem Markt sind bis hin zu denen von Stars wie Henning Mankell. Da gibt es hohe Erwartungen an Spannungsbogen und Psychologie. Daran muss sich dann auch „Der Tod tanzt mit“ messen lassen. Also ist guter Rat teuer: Versuchen würde ich es weiterhin da mitzuhalten!
Wenn ja, was könnte er vielleicht in einem weiteren Krimi besser machen?
Es gibt schon recht früh einige Leichen, vielleicht zu viele! Zwar gibt es heutzutage kaum einen Kriminalroman ohne Mordfälle, aber es wäre zu überlegen vielleicht einmal einen Kriminalroman ohne solche zu schreiben. Schließlich würde ich den Kommissar weniger melancholisch zeichnen und etwas forscher an seine Ermittlungen herangehen lassen. Er spinnt zu wenig Verdachtsfantasien durch, sondern befragt viele Leute, ohne dass eine seiner Theorien bestätigt oder weitergewoben werden kann. Also mutiger in die Gespinste der Verdachte reingehen!